Piech schmeißt hin

Normalerweise ist der späte Freitagabend für überraschende und einschneidende "ad-hoc"-Mitteilungen prädestiniert, bei Volkswagen scheint es aber eher der Samstag-Nachmittag zu sein. An eben diesem teilte der Wolfsburger Automobilkonzern doch einigermaßen überraschend mit, dass Konzernpatriarch und Chefkontrolleur Ferdinand Piech mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei VW zurücktritt. Überdies hat auch die sofortige Niederlegung dieses und aller weiteren Konzernaufsichtsratsmandate mitgeteilt.

In gleicher Weise hat auch seine Ehefrau Ursula Piech reagiert, die ebenfalls ihre sämtlichen Mandate mit sofortiger Wirkung niederlegt. Dem Vernehmen nach haben die Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums am Samstag festgestellt, dass "das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist".

Damit haben die vor zwei Wochen ausgebrochenen Querelen um die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden Prof. Winterkorn erste sehr prominente Opfer gefordert. Statt wie möglicherweise von Piech mit den Worten "ich bin auf Distanz zu Winterkorn" beabsichtigt, den Vorstandschef abzulösen muss er nun selbst das Feld räumen. Damit hat der offenkundig in der Konzernspitze ausgebrochene und in den vergangenen Tagen weiter schwelende Machtkampf eine überraschende Wende genommen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dies die einzigen personellen Veränderungen bleiben oder ob es in den kommenden Wochen noch weitere Überraschungen geben wird. Bemerkenswert ist der Schritt des Ehepaars Piech nicht zuletzt deshalb, da diese zusammen mit der Familie Porsche über 50 Prozent der Stammaktien von Volkswagen halten und auch in der Zukunft auf entsprechenden Einfluss bedacht sein dürften.

Mit der Mandatsniederlegung geht in Wolfsburg eine über zwanzigjährige Ära zu Ende, die mit der Berufung von Ferdinand Piech zum VW Vorstandsvorsitzenden zum 01. Januar 1993 begonnen hatte. Seinerzeit hat er den Konzern in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage übernommen und die Grundlagen für die seither eingetretene positive Entwicklung gelegt. Bereits seit dem Jahre 1975 war Piech zunächst für den Bereich Technik im Vorstand der Konzerntochter Audi AG an verantwortlicher Stelle tätig gewesen.

Übergangsweise und bis zur Wahl eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wird der stellvertretende AR-Chef und frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber dem Kontrollgremium vorstehen. Bei der Regelung der Nachfolgefrage ist jedoch Eile geboten, da es wohl kaum vorstellbar ist, dass bis zur Hauptversammlung der Volkswagen AG am 05. Mai 2015 in Hannover dieser Posten vakant bleibt.

Preisspanne 17,90 bis 21,30 Euro

Der Börsengang der Sixt Leasing AG nimmt schneller Fahrt auf als von manchem Beobachter gedacht. Heute haben die Konsortialbanken Commerzbank, Berenberg und Baader Bank die Zeichnungsdetails bekannt gegeben. Die Zeichnungsfrist für die Sixt Leasing Aktien startet am 27. April 2015 und wird voraussichtlich am 06. Mai 2015 enden. Die Preisspanne für das Angebot liegt zwischen 17,90 und 21,30 Euro. Die Notierungsaufnahme im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 07. Mai 2015 vorgesehen.

Im Rahmen des Börsengangs werden insgesamt bis zu 12.366.955 Aktien der Sixt Leasing AG angeboten. Davon stammen bis zu 5.586.593 neue Aktien aus einer Barkapitalerhöhung und bis zu 5.167.281 Aktien aus dem Bestand der Sixt SE. Darüberhinaus besteht eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von bis zu 1.613.081 weiteren Aktien aus dem Bestand der Sixt SE.

Es wird angestrebt, über den Börsengang der Sixt Leasing AG mindestens 100 Mio. Euro an Eigenmitteln zuzuführen. Ferner erwartet die Sixt SE einen Mittelzufluss von mindestens 30 Mio. Euro aus der Abgabe von Stücken. In Summe wird für den Sixt-Konzern ein Mittelzufluss von insgesamt 130 Mio. Euro angestrebt.

Im Rahmen des IPOs beabsichtigt die Sixt SE zudem, ihren Anteil an der Sixt Leasing AG auf unter 50 Prozent zu reduzieren. Als Mindestbeteiligungsquote will Sixt SE auch nach dem IPO mit mindestens 40 Prozent an der Sixt Leasing AG beteiligt bleiben. Begleitet wird der Börsengang von Berenberg, Commerzbank und der Baader Bank.

Singulus in tiefrot

Im Geschäftsjahr 2014 hat der Vakuum-Dünnschicht-Spezialist Singulus Technologies tiefrote Zahlen geschrieben. Zum Einsatz kommt diese Technologie vor allem in der Oberflächentechnik und bei thermischen Prozesstechniken. Hauptanwendungsfelder sind dabei Optical Disc, Solar und Halbleiter. Mit Blick auf die verhaltenen Aussichten für den Bereich Optial Disc sowie die Nachfrageschwäche im Solarbereich in den vergangenen Jahren hat sich Singulus bereits seit einiger Zeit auf den strukturellen Wandel eingestellt und die Entwicklung neuer Märkte und Anwendungsfelder betrieben.

Für das Jahr 2014 stehen jedoch unter dem Strich zunächst einmal tiefrote Zahlen. Der Nettoverlust beträgt 51,6 Mio. Euro und geht auf die erheblichen Absatz- und Umsatzeinbußen in den Segmenten Solar- und Optical Disc zurück. Zusätzliche Effekte ergeben sich aus der Zinslast der begebenen Unternehmensanleihe. In der Bilanz führt dieser massive Fehlbetrag auch zu einem gefährlichen Abschmelzen der Eigenkapitalposition. Diese verringert zum Jahresende 2014 auf nur noch 20,1 Mio. Euro auf Konzernebene.

Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, sollen der Hauptversammlung am 09. Juni 2015 daher umfangreiche Kapitalmaßnahmen vorgeschlagen werden, die eine Stärkung der Eigenkapitalposition möglich machen sollen. Neben einer Kapitalherabsetzung ist auch die Schaffung eines genehmigten Kapitals vorgesehen, bei dem die Möglichkeit der Einbringung von Sacheinlagen unter gleichzeitigem Ausschluss des Bezugsrechts eingeräumt werden soll. Hierdurch will sich Singulus die Möglichkeit eröffnen, beispielsweise die ausstehende Unternehmensanleihe in Eigenkapital zu wandeln. Zudem will man von Inhaber auf Namensaktien umstellen.

Operativ fokussiert man sich auf die Weiterentwicklung der bestehenden Technologie und die Übertragung des bestehenden Know-Hows auf weitere attraktive Anwendungsfelder. So wurde beispielsweise mit der DECOLINE II eine vollautomatische Beschichtungslinie für Kunststoffteile erfolgreich entwickelt und vermarktet. Die begonnene strategische Neuausrichtung soll mit Nachdruck weiter vorangetrieben werden. Erste Indikatoren stimmen hier zuversichtlich, wie der auf 60 Mio. Euro deutlich gestiegene Auftragseingang zeigt.

Täglicher Börsenbericht

Zuletzt Erholung

Anleger kehren zurück

Zuletzt hofften die Marktteilnehmer einmal mehr auf eine Lösung im griechischen Schuldenstreit. Darüber hinaus setzte der eine oder andere auf steigende Unternehmensgewinne. Der deutsche Leitindex DAX nahm eine Erholungsbewegung auf.

Ein erfreulicher Branchenausblick des Wettbewerbers Yara stimulierte den Kurs von K+S. Zudem kündigte die russische Uralkali ein Aktienrückkaufprogramm an.

Der Chemieriese Bayer hat für sein Medikament Xofigo zur Behandlung von Prostatakrebs die Zulassung in Japan beantragt. Die Aktie legte zu.

Das Q1 hat dem Motorenbauer Deutz einen Umsatzrückgang um 7,2 % auf 318 Mio. € beschert. Das Ebit stieg dagegen auf 10,1 (1,9)  Mio. €. 

Singulus will sich auf der HV eine Kapitalherabsetzung genehmigen lassen. Die Verluste der Vergangenheit seien zu hoch. Zudem plant das Unternehmen in diesem Zusammenhang die Anleihe im Rahmen einer Kapitalerhöhung in eigene Aktien einzutauschen.

Biotest hat in einer Studie mit Tregalizumab (BT-061) für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis einen Rückschlag wegstecken müssen. Hieraus kann ein einmaliger Aufwand von bis zu 30 Mio. € resultieren. Die Aktie rauschte gen Süden.

Renault-Aktien profitieren von guten Q1-Zahlen.

Amazon notiert nach Vorlage von Quartalsergebnissen auf Rekordhoch.

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Dt. Bank fällt durch Stresstest

Wie befürchtet ist die Dt. Bank in der zweiten Runde des US-Stresstests durchgefallen. Das größte deutsche Geldinstitut, das mit einer amerikanischen Tochter erstmals teilnahm, scheiterte an der Prüfung zum Risikomanagement und Berichtswesen. Dieses Ergebnis dürfte für die Dt. Bank zwar keine harten Konsequenzen haben, allerdings wird der Spielraum für eine Dividendenabführung an die europäische Muttergesellschaft und für Aktienrückkäufe eingeschränkt. Zudem dürfte die Dt. Bank ihren Nimbus als größtes und erfolgreichstes deutsches Kreditinstitut nun endgültig verloren haben. Manipulationen, Tricksereien und Falschaussagen haben die   Bank ohnehin in Verruf gebracht. Nun wird ihr auch noch schlampige Arbeit im operativen Geschäft testiert. Zwar kann das Institut seine Geschäfte weiter betreiben, aber für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist die Dt. Bank schon lange kein geeignetes Aushängeschild mehr.

Effecten-Spiegel zahlt 10. Jahr in Folge Dividende

Die Effecten-Spiegel AG schließt das anspruchsvolle und schwankungsbreite Börsenjahr 2014 erneut mit einem positiven Ergebnis ab. Der Jahresüberschuss beträgt 2,402 Mio. €, der Bilanzgewinn kommt auf 2,870 Mio. €. Zum Erstellungsstichtag der Bilanz ergaben sich aus stillen Lasten und Reserven bei den Finanzanlagen kumuliert stille Reserven in Höhe von 7,043 Mio. €. Die Gewinnrücklage beträgt unverändert 7,608 Mio. €. Das Eigenkapital kommt per Saldo auf 70,952 Mio. €. Damit stellt sich die Eigenkapitalquote auf 96,2 %. 

 

Die Effecten-Spiegel AG konnte mit ihrer erfolgreichen Geschäftspolitik allen finanzpolitischen Krisen der letzten Jahre trotzen und wird zum 10. Mal in Folge eine Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Die Verwaltung schlägt der Hauptversammlung am 27. Mai daher die Zahlung einer Dividende auf Vorjahresniveau in Höhe von 0,75 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie vor. Die traditionell hohe Dividendenrendite kommt bei den Stämmen auf 4,42 % und bei den Vorzügen auf 4,60 %.

infas Holding mit 0,10 € Dividende

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung der infas Holding AG haben die Aktionäre eine Dividendenausschüttung von 0,06 € zuzüglich eines Bonus von 0,04 € für das Geschäftsjahr 2013 beschlossen. 

Nachdem die Hauptversammlung im vergangenen August ohne Beschlussfassungen vertagt worden war, wählten die Aktionäre auf der aktuellen Versammlung einen neuen Aufsichtsrat. Gewählt wurden die bereits gerichtlich bestellten Aufsichtsräte Dr. Oliver Krauß und Hans-Joachim Riesenbeck. Da Dr. Hans Bethge seine Kandidatur zurückgezogen hatte, wurde Susanne Heinen als Prokuristin der Effecten-Spiegel AG, die größte Einzelaktionärin der infas Holding AG ist, in den Aufsichtsrat gewählt. Nach einer längeren, angeregten Diskussion wurden die Beschlussfassungen über die Entlastung der in 2013 amtierenden Aufsichtsratsmitglieder sowie die Festlegung der Vergütung für die Aufsichtsratsmitglieder 2013 auf die ordentliche HV im Sommer 2015 erneut vertagt. Alle anderen Beschlussvorlagen winkte die Hauptversammlung mit großer Mehrheit durch.

Vorstandschef Menno Smid rechnet bei der infas Institut GmbH für 2014 mit einem Umsatz von rd. 20 Mio. € oder leicht mehr. Das Ebt wird über 2,3 Mio. € anvisiert. Bei action press liegt die Umsatzprognose bei rd. 4,6 Mio. €. Außerdem wird mit einem positiven Ergebnis gerechnet.

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